über ressourcensammler

Die meisten messen gelingendes Leben an den Hilfsmitteln, über die man verfügt – Geld, Bildung, Freunde, Gesundheit. All das braucht man natürlich, aber es sagt wenig über die Lebensqualität aus. Man kann davon ganz viel haben und trotzdem unglücklich sein. Und man kann ganz wenig davon haben und trotzdem so etwas wie ein gelingendes Leben führen.

Wir sind regelrecht Ressourcensammler geworden. Wir gleichen einem Künstler, der immer nur bessere Leinwände, bessere Farben, bessere Staffeleien anschafft, aber nie anfängt zu malen. Wieso tun wir das?

Wir sind besessen von Zwischenzwecken – wir wollen erst mal eine hohe Bildung erreichen, einen großen Freundeskreis aufbauen, viel Geld sammeln, um dann irgendwann mit dem Leben anzufangen. Ich nenne das „Weltreichweitenvergrößerung“: Wir wollen immer mehr Welt in Reichweite haben, das ist uns zum Selbstzweck geworden.

Mit viel Geld kann ich überall hinfliegen, mit sehr viel Geld sogar zum Mond; mit dem Smartphone in der Tasche habe ich Zugriff auf alle meine Freunde, auf alles Wissen in der Welt. Die Einlösung der Möglichkeiten wird aber zunehmend auf später verschoben – nach dem Motto: Wenn ich in Rente gehe, dann fange ich an zu leben. De facto ist es dann zu spät.

 

H. Rosa